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Verhütung ohne Hormone

13.03.2026

Das neue, mit drei Millionen Euro geförderte Projekt PREVENT forscht an Alternativen zur „Pille“.

Einst galt die „Pille“ als revolutionär, dann wurde sie zum gängigsten Verhütungsmittel, heute sehen Menschen die Kontrazeption mithilfe von Hormonen vielfach kritisch. Ein Forschungsteam der LMU und ihrer Kooperationspartner an der Goethe-Universität Frankfurt und am Universitätsklinikum Bonn hat jetzt das Projekt PREVENT zur Entwicklung nicht-hormoneller Verhütungsmittel gestartet. Die Forschenden wollen ein Verfahren zur Entwicklung neuartiger Wirkstoffe zur Empfängnisverhütung bei Frau und Mann etablieren. PREVENT wird vom Bundesforschungsministerium bis 2029 mit drei Millionen Euro gefördert.

In den 1970er-Jahren war die Antibabypille in den westlichen Staaten das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, in Deutschland zum Beispiel nahm jede dritte Frau „die Pille“. Sie ist sicher und zuverlässig, wird von der Krankenkasse bezahlt und galt vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren auch als Instrument weiblicher Selbstbestimmung.

Im Laufe der Zeit wurden jedoch eine Reihe Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmethoden bekannt, die – je nach Präparat – von Übelkeit, Gewichtszunahme und Spannungsgefühlen in den Brüsten bis zu Bluthochdruck, Leberfunktionsstörungen und Thrombosen reichen können. Medikamente wie bestimmte Antibiotika oder Johanniskrautprodukte mindern die Wirksamkeit der Pille, bei verschiedenen Erkrankungen sollte sie nicht genommen werden.

Antibabypille, Packung

Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille zu finden ist das Forschungsziel des Projekts PREVENT.

© IMAGO / Shotshop

Pille wird häufiger abgelehnt

Die Nebenwirkungen treten zwar vergleichsweise selten auf, tragen aber zur abnehmenden Akzeptanz der Pille bei: Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge verhüten seit 2023 weniger Frauen und Paare mit der Pille; insbesondere bei jüngeren Erwachsenen hat das Kondom die Pille als Verhütungsmittel Nummer eins abgelöst.

Ein Forschungsteam um Professor Daniel Merk von der LMU, Dr. Claudia Tredup und Professor Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt und Professor Hubert Schorle vom Universitätsklinikum Bonn arbeitet jetzt daran, besonders nebenwirkungsarme Verhütungsmittel zu entwickeln, die nicht auf Hormonwirkungen beruhen. Dazu haben sie das Projekt PREVENT („Precision Reproductive and contraceptive target discovery Network“) gestartet und eine dreijährige Projektförderung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eingeworben.

Wirkstoffe für neue Verhütungsstrategien

Da hormonelle Verhütungsmethoden die Hormon-Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken verändern und in endokrine Regelkreise eingreifen, sind sie nicht für alle Frauen geeignet oder nicht gewünscht. Das PREVENT-Konsortium sucht deshalb nach alternativen, nichthormonellen Verhütungsansätzen für Frau und Mann.

Der Forschungsansatz fokussiert sich dabei auf niedermolekulare Verbindungen, die spezifisch solche Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder in Eizellen vorkommen. So könnte zum Beispiel durch Hemmung bestimmter Proteine die Beweglichkeit von Spermien herabgesetzt werden, sodass sie die Eizelle nicht mehr erreichen. Da Verhütungsmittel gesunden Menschen verabreicht werden sollen, stehen neben einer zuverlässigen und reversiblen Kontrazeption eine sehr gute Verträglichkeit und Sicherheit im Vordergrund.

Die Suche nach guten Wirkstoffen, die derart komplexen Anforderungen entsprechen, ist ein höchst aufwendiges Verfahren. Das PREVENT-Team wird daher eine breite und nachhaltige Wirkstoffentwicklungsplattform etablieren, um Technologien und Werkzeuge zur Validierung von nicht-hormonellen Verhütungskonzepten zu entwickeln. Dafür sollen hochselektive und wirksame Wirkstoffe, sogenannte „chemical probes“, ermöglichen, neue Verhütungsstrategien gezielt zu testen und eine belastbare Grundlage für die präklinischen und spätere klinische Studien zu schaffen.

PREVENT wird dabei unter anderem gezielt auf Gene zurückgreifen, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen, um die entsprechenden Proteine als Zielstrukturen für sichere nichthormonelle Verhütungsstrategien zu nutzen. PREVENT ist nicht nur ein klassisches pharmazeutisch-chemisches Forschungsprojekt, sondern adressiert auch zentrale gesellschaftliche Ziele der reproduktiven Selbstbestimmung und der globalen Gesundheitspolitik.

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